Fremdsprache
Der Vater von meinem Vater, den ich nie gesehen habe, kam ursprünglich von der Java Insel, Indonesien. Er gründete das Dörfchen, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Daher sind die Meisten von meinen Nachbarn mit mir blutsverwandt. Hauptsächlich mit den Älteren spreche ich immer Javanisch. Ich habe leider keine gute Rückbesinnung auf meinen Vater, der zurückhaltend und sogar angeblich stoisch war und der, als ich 8 Jahre alt war, eingeschlafen war. Aber soweit ich mich erinnern kann, sprach ich mit ihm auch Javanisch.
Meine Mutter spricht jedoch mit ihren Eltern und ihren Geschwistern Banjarisch, da ihre Vorfahren längst von einer der Provinz der Borneo Insel (derzeitig auch Indonesien) nach Malaysia wanderten. Ich kann sie die meiste Zeit verstehen. Einmal habe ich versucht, mit meiner Großmutter Banjarisch zu sprechen. Sie hat mich lächerlich gefunden. Sie hat mir gesagt, dass ich mit ihr nur Malaisisch sprechen sollte. Aber wie die meisten Stammessprachen sind in Malaysia Javanisch und Banjarisch aussterbend, da die jungen Leute heutzutage die nicht sprechen.
In den Grund- und Mittelschulen ist die Unterrichtssprache Malaisisch, das Indonesisch ähnelt. Als ich 7 Jahre alt war, lernte ich in der Grundschule Englisch. Der Unterricht war nicht so gut, weil die Schule zum Teil auf dem Land war. Um die soziale Mobilität der Landbewohner zu unterstützen, baute die Regierung spezielle Mittelschulen in den Städten. Ich ging in eine solche Schule, die fast 200km von meinem Heimatort entfernt war. Dort lernte ich auch Basiskenntnisse in Arabisch und Französisch. Dem Bildungswesen war es, vielleicht sogar heutzutage, bedauerlicherweise wichtig die landesweiten Prüfungen zu bestehen. Daher konnten die meisten von den Schülern keine von diesen wunderschönen Sprachen sprechen. Ich war keine Ausnahme.
Nach dem Abgang von der Schule bekam ich ein Stipendium, um in den Vereinigten Staaten zu studieren. Dort musste ich letztendlich nur amerikanisches Englisch sprechen. Laut meinem Lehrplan brauchte ich auch die anderen Kurse, die mit meinem Hauptstudienfach nichts zu tun hatten. Dafür lernte ich weiterhin Französisch. Beim Unterricht musste ich die Sprache sprechen, und letztendlich konnte ich auch irgendetwas sprechen, das Französisch ähnelte. Während meiner Freizeit sah ich damals auch ziemlich viele Zeichentrickfilme aus Japan, deswegen machte ich auch interessehalber einem Japanisch Abendkurs. Aber das nahm viel Zeit in Anspruch und nach einem Jahr konnte ich das nicht mehr weitermachen.
Nach dem Abschluss meines Studiums fuhr ich nach Malaysia zurück. Für ein paar Jahre wohnte ich in Kuala Lumpur, wo ich meinen Lebensunterhalt verdiente. Dort habe ich auch erkannt, dass mein Malaisisch und das der anderen Stadtleute ganz anders war. Ich musste mich häufig wiederholen, weil sie mich mit meinem Dialekt und meiner Umgangssprache gar nicht verstehen konnten. Machmal konnten wir uns besser verstehen, wenn wir Englisch sprachen, auch wenn sie meinen amerikanischen Akzent seltsam fanden.
Während dieser Zeit las ich auch viel über Weltpolitik und Wirtschaft, so dass ich mich ebenfalls für Chinesisch interessierte. Wie es das Glück wollte, wurde ein Chinesisch Abendkurs zu einem sehr niedrigen Preis an der Universität angeboten. Eineinhalb Jahre ungefähr waren die Zeit vergangen, und ich war zu viel beschäftigt mit tausend chinesischen Schriftzeichen.
Momentan lebe ich in einem deutschsprachigen Land, wo ich die Sprache auch ordentlich lernen sollte. Die Gelegenheit ist da, um eine Sprache mit hohem Wirtschaftswert zu lernen. Es ist sehr schade, wenn ich die nicht ergreife. Ich habe aber darüber nachgedacht, ein paar Tage in einem deutschen Dorf verbringen, wo ich nur Deutsch sprechen muss und wo ich die Landbewohner mit meinem mangelhaften Deutsch quälen kann.
Schauen wir mal.
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