Egal wo man herkommt, ist das Wichtigste zu allererst Liebe und Leben.
Ich bin in einem kleinen Dörfchen, das etwa in der Mitte der malaysischen Halbinsel liegt, geboren und aufgewachsen. Ich verbrachte einen Großteil meiner Kindheitstage in der freien Natur, wo ich nach Tieren jagte und auf Bäume kletterte. Hier ließ es sich gut leben. Von daher wollte ich bloß ein Bauer oder ein Fischer werden.
Obwohl ich in der Schule gut abschnitt, fand ich den Unterricht, in dem man immer auswendig lernen musste, ziemlich öde. Außerdem war das Stellen von vielen Fragen abgeraten, sowohl in der Schule als auch in der gesamten Gemeinschaft. Der Respekt gegenüber älteren Menschen, wie im Großteil Asiens, und die Frömmigkeit gegenüber Gott und dem Propheten, wie in jeder islamischen Gemeinschaft, waren von höchster Wichtigkeit. Aber das Seltsame daran war, dass das Betragen der Leute ganz gegensätzlich sein konnte. Obwohl Gott sagt, dass wir einander lieben sollen, hörte ich gelegentlich rassistische Bemerkungen, die von anscheinend angesehenen Persönlichkeiten gegenüber anderen Rassen, mit denen wir in Malaysia zusammenleben, gemacht wurden. Obwohl im Koran steht, dass die Welt groß sei und man sie erleben und entdecken solle, fand ich, dass sie kein Interesse daran hatten, die Welt zu entdecken. Alles von der westlichen Welt wurde bedauerlicherweise gemeinhin als schlecht angesehen, und die Sachen, die uns arabisch schienen (und demgemäß anscheinend islamisch), wurden viel beachtet und verehrt.
Etwa 20 Jahren später fand ich mich in einem fremden Land. Wien, Österreich. Ein anderer Kontinent, die alte Welt. In Wien ist alles ganz anders. Die Leute, die Sprache, die Kultur, das Essen usw. Das Gewicht des Kulturschocks war so riesig, dass ich mich oftmals fragte, ob ich mir den Schmerz ersparen sollte, und ein Flugticket zurück buchen sollte. Und was dann? Ich hätte mir gesagt, dass ich darin versagt habe. Ich wäre in einem Schrotthaufen geplatzer Träume meiner Niedergeschlagenheit erlegen und ich hätte in der blendenden Dunkelheit der Enttäuschung die bittere Asche des Versagens durchschwimmen gemusst, um nochmal ganz von vorne anzufangen.
Auf wundersame Weise überlebte ich. Nach drei Jahren finde ich mich von der Stadt und den Leuten mehr und mehr verwunschen. Laut meiner Gaumen ist unglücklicherweise einige Sache verändert nicht: mehr Vielfalt und Geschmack in das Essen könnten wirklich nicht schaden.
Die Hauptsache ist aber nicht, lediglich an einem anderen Ort zu leben. Das war nicht das Größte, das ich bisher geschafft habe, obwohl ich eigentlich nicht sagen würde, dass an einem anderen Ort zu leben von selbst kein Kraftakt ist. Auf dem Weg wurde ich aber und abermals auf die Probe gestellt, inspiriert, motiviert und ich lernte auch Demut.
Was bedeutungsvoller ist, ist wenn man sich entscheidet großmütig zu sein und eine positive Haltung anzunehmen, zu entdecken und von der Umgebung aufzunehmen, anstelle unbeteiligt zu bleiben. Ich hatte einen Perspektivenwechsel, von dem ich nie wusste, dass so etwas selbst möglich ist. Mir ist widerfahren, dass meine Vernunft und das Unbewusste ausgedehnt wurden. Es ist so ähnlich wie ein körperlicher Muskel, von dem man nicht weiß, dass er in seinem Körper existiert. Erst als man den Muskel zum ersten Mal verwendet hat, hat man gemerkt, dass man mehr Leistung aus sich selbst herausholen kann.
Trotz der Tatsache, dass ich Lehrgeld zahlte, dass die Wurzeln allen Übels, ungeachtet Rasse, Glaube, oder politischer Überzeugung kaum unterschiedlich sind, ist die Schönheit des Ganzen in Wirklichkeit, dass das Menschenskind vieles gemeinsam hat. Die obenerwähnten Dörfler, Europäer oder Amerikaner (Ich lebte eine geraume Weile auch in den USA) streben alle das Gleiche an, dass wir irgendwie eigenartigerweise immer wieder vergessen. Wir begehren ein behagliches Haus, Familienunternehmen, Friede, Gesundheit und Gerechtigkeit. Egal wo man herkommt, ist das Wichtigste zu allererst Liebe und Leben.
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